Das Magazin für empfindliche Haut

by Xeno

Ist weniger wirklich mehr? Teil 1: Was Weglassen mit deiner Haut macht

Frau schminkt sich vor dem Badezimmerspiegel
Minimalismus in der Kosmetik: Geht es meiner Haut besser, wenn ich einfach mal weniger Kosmetik nutze?

Kohlemasken, Ascheseifen, Rosenwasser, besondere Seren oder auch stärkere Wirkstoffe wie Niacinamid oder natürliche Salizylsäure sind im Trend und versprechen dir Schönheit oder gar ewige Jugend. Der Markt hat unzählige Produkte zu bieten, je nach Geschmack konventionell, clean oder Naturkosmetik. Aber mal ehrlich: Ist das wirklich gesund? Und ab wann ist es zu viel für die Haut? Oder sind potentere Wirkstoffe in der Hautpflege vielleicht doch nötig?

„Ist weniger wirklich mehr?“ 

Zu dieser Frage beginnen wir heute mit einer vierteiligen Artikel-Serie. Heute geht es darum, was du in jedem Fall weglassen kannst. Die nächsten drei Tage erscheint jeden Tag ein weiterer Teil. Wir werden beleuchten, welche Produkte deiner Haut vielleicht doch gut tun können und wie deine Routine in Zukunft aussehen könnte.

Oft wird suggeriert, dass du auf jeden Fall viel machen solltest, um deine Hautprobleme in den Griff zu bekommen und um dem Älterwerden zu entgehen. Für jedes Problemchen hat der Markt ein Wundermittel für dich parat. Viele Fläschchen mit allerlei Wirkstoffen im Badezimmerschrank stehen zu haben, ist jedoch auf Dauer ziemlich teuer und macht deine täglichen Routine auch echt anstrengend. Im Netzt, auf Instagram oder YouTube wird dir überall vermittelt, dass deine Routine ruhig aus 10 oder mehreren unterschiedlichen Schritten bestehen sollte.

Wenn du viele Produkte auf deine Haut gibst, dann sind wahrscheinlich auch viele Inhaltsstoffe dabei, die deine Haut reizen können. Gerade auch die trendigen Hautpflege-Produkte sind oft besonders schädlich für deine Haut. Mache am besten einen großen Bogen um reizende Produkte, denn du willst deine Haut ja pflegen und ihr nicht schaden.

Diese Inhaltsstoffe kannst du sofort streichen

Duftstoffe und austrocknende Alkohole

Duftstoffe

Da wären zum Beispiel die Duftstoffe: Die sind nicht gerade hautfreundlich, kommen jedoch leider in fast allen Hautpflegeprodukten vor. In konventioneller Kosmetik ist es meist Parfume, mit unterschiedlichsten Bezeichnungen. In der Naturkosmetik sind es Ätherische Öle, die synthetische Duftstoffe ersetzen. Alle Arten von Duftstoffen können die Haut sensibel machen und Kontaktallergien auslösen. Also merke: Wenn ein Pflegeprodukt blumig riecht, dann sind reizende Duftstoffe enthalten.

austrocknende Alkohole

Und was ist mit Alkohol? Alkohol wird in Naturkosmetik häufig zur Konservierung eingesetzt. Sind Alkohole nun schlecht für die Haut? Nicht alle Alkohole sind ein Problem. Meiden solltest du nur austrocknende Alkohole. Diese sollten nicht in deiner Hautpflege vorkommen, da sie deiner Haut Feuchtigkeit entziehen und empfindliche Haut reizen. Ein ausführlicher Artikel zu Alkoholen ist in Arbeit.

Blütenhydrolate

Ein Hybrid aus Alkohol und Duftstoffen sind die Blütenhydrolate, wie beispielsweise Rosenwasser. Blütenhydrolate riechen nicht nur wunderbar, sie sind pur und pflanzlich und das klingt auf den ersten Blick sehr gesund. Darum gibt es dazu auch eine große Verwirrung - vor allem unter Anhängern der Naturkosmetik. Es besteht leider der Irrglaube, dass Blütenwasser Feuchtigkeit spenden könnten und pflegende Eigenschaft auf die Haut hätten. Pures Wasser ist hingegen oft als Füllstoff verschrien.

Leider ist das Gegenteil der Fall: Denn Wasser ist sehr mild und es lassen sich darin viele Wirkstoffe und Extrakte wunderbar lösen. Wasser in deiner Hautpflege ist also weit mehr als einfach nur Füllmasse.

Auch in Blütenwassern lassen sich Extrakte und Wirkstoffe lösen. Klingt also erst einmal alles sehr gut. Doch es tut uns Leid: Leider sind Blütenhydrolate jeglicher Art, ob nun natürlich gewonnen, bio oder konventioneller Art sehr reizend für deine Haut. Denn alle Blütenhydrolate enthalten ätherische Öle und austrocknenden Alkohol. Und als ob Inhaltsstoff-Listen auf Hautpflege nicht schon kompliziert genug wären: Blütenhydrolate machen es uns noch schwerer, denn Alkohole und Ätherische Öle lassen sich nicht in der Inhaltsstoffliste finden. Sie müssen nicht gekennzeichnet werden, da sie natürlich im Blütenwasser vorkommen. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, dann lies hier unseren ausführlichen Artikel über Rosenwasser.

Wasser enthält keinen Alkohol und keine Duftstoffe. Damit ist Wasser, die mildere Lösung. In der Kosmetik wird übrigens immer destilliertes Wasser verwendet. Diese ist keimfrei und somit sehr verträglich für die Haut. Wenn du gerne pflanzliche Inhaltsstoffe verwenden möchtest, kannst du Produkte mit Pflanzensäften verwenden. Zum Beispiel Aloe Vera Saft oder Grüner Tee enthaltenen natürliche Wirkstoffe, die eine positive Wirkung auf die Haut haben. Grüner Tee wirkt zum Beispiel gegen Entzündungen und reguliert die Talgproduktion.

Zu harsche Tenside

Bei der Reinigung kommen die Tenside (Waschsubstanzen) ins Spiel. Diese brauchst du nämlich, damit du Schmutz, deinen Sonnenschutz oder auch dein Make-up sanft von deiner Haut abwaschen kannst. Manche Tenside sind sehr harsch. Das bedeutet: Sie wirken sehr stark und trockenen dadurch deine Haut aus und entziehen ihr auf Dauer zu viele gute Fette. Dein natürliches Fett schützt deine Haut davor zu viel Feuchtigkeit zu verlieren. Besonders empfindliche Haut reagiert sehr stark auf starke Reinigungsprodukte. Es kann zu Rötungen und Irritationen kommen, die auf Dauer deine Hautbarriere noch sensibler machen. Such dir lieber ein Reinigungsprodukt mit sehr milden Tensiden. Ein Artikel über milde Reinigung und die unterschiedlichen Tenside ist schon in Arbeit und wird in Kürze hier erscheinen. Übrigens enthalten Seifen sehr harsche Tenside und schaden dem Schutzmantel deiner Haut. Darum solltest du auf Seife möglichst verzichten.

Wenn du die genannten Inhaltsstoffe schon mal aus deiner Hautpflege weglässt, dann tust du deiner Haut schon mal viel Gutes.

Und dann gibt es noch ein paar Stoffe, die vor allem für empfindliche Haut reizend sein können. Und damit du auf Nummer sicher gehts, ist es zu empfehlen auch diese Stoffe zu meiden.

Zu viele pflanzliche Öle

Auch hier gibt es ein paar Dinge zu beachten. Manche Menschen reagieren auf ihrer Haut sehr empfindlich auf Pflanzen-Öl. So kommen sehr ölige Hauttypen nicht unbedingt mit jedem Öl zurecht. Manchmal verträgt fettige oder empfindliche Haut gar keine pflanzlichen Öle. Denn Öl enthält nicht nur einen Inhaltsstoff sonder auch eine Menge natürlicher Vitamine, Mineralien und unterschiedliche Fettsäuren. Das klingt erstmal sehr gesund. Ist es auch: Jedoch können diese Bestandteile auch für Irritationen sorgen. Deshalb ist es wichtig, dass du das richtige Pflanzenöl für deinen Hauttyp verwendest. Nur so kannst du auch wirklich etwas gegen deine trockene Haut, die Schuppen, den Juckreiz oder die Rötung bewirken. Achte bei Pflanzenölen unbedingt darauf, ob es sich um ein Samen-, Kernöl, Fruchtfleisch- oder Blütenöl handelt. Fruchtfleisch- und Blütenöle enthalten wie die oben erwähnten Blütenhydrolate natürlich vorkommende ätherische Öle, die zu den Duftstoffen zählen. Und diese können deine Haut reizen. Ein Artikel zum Einsatz von purem Gesichtsölen in der Hautpflege ist in Arbeit und wird hier bald erscheinen.

Also bitte nur Kern - oder Samenöle auf die Haut geben. Pflanzliche Öle kommen in vielen Hautpflegeprodukten vor oder können auch pur gekauft werden. Sei dir immer darüber bewusst, dass ein paar Tropfen pures Öl schon eine Menge Pflege für deine Haut ist. Hier kannst du nämlich schnell zu viel machen. Lediglich sehr sehr trockene Haut verträgt größere Mengen an Öl. Deshalb sind Salben und reichhaltige Cremes auch besser bei sehr trockener Haut aufgehoben. Das selbe gilt auch für Nachtcremes, die oft mit einer Vielzahl unterschiedlicher reichhaltiger Pflanzenöle angereichert sind. Die meisten Hauttypen brauchen einfach keine Nachtcreme. Auch wenn die Beauty-Industrie es dir ständig verkaufen möchte.

PEG Stoffe

PEG (Polyethlenegykol) sind sehr oft in konventionellen Hautpflegeprodukten zu finden. Sie wirken wie ein Emulgator und verbinden Öle mit Wasser. Zusätzlich werden sie als Weichmacher und Bindemittel verwendet. Sie sind in der Beauty-Industrie sehr beliebt, da sie die Konsistenz eines Produktes verbessern.

PEG werden in der Naturkosmetik nicht verwendet und sind von den Naturkosmetik-Siegeln nicht erlaubt, da sie aus Erdöl gewonnen werden. Das ist schlecht für die Umwelt und nicht nötig, da es mittlerweile eine Vielzahl an natürlichen Alternativen gibt. Ob PEG schädlich für Menschen sind, ist noch nicht vollständig geklärt. Vielleicht kommt da in den nächsten Jahren mehr Licht ins Dunkel. PEGs stehen in Verdacht die Haut durchlässiger zu machen. Vorsichtshalber solltest du sie daher meiden, vor allem wenn du empfindliche Haut hast.

Du sollest jetzt selbst entscheiden, ob du sie in deiner Hautpflege haben möchtest oder nicht. Sollte sich irgendwann doch rausstellen, dass sie keinen negativen Einfluss haben, hast du ja nichts negatives für deine Haut gemacht, wenn du sie weglässt. Falls sich die schädliche Wirkung auf den Körper oder die Haut bestätigt, dann hast du gut vorgesorgt und deine Haut davor gut geschützt. Und für die Umwelt ist es sowieso besser auf PEGs zu verzichten.

Parabene

Parabene sind synthetische Konservierungsstoffe. Sie wirken hervorragend gegen jegliche Art von Keimen und sorgen so dafür, dass deine Hautpflege auch nach dem Öffnen noch extrem lange haltbar ist. Parabene haben keinen guten Ruf: Sicher hast du schon gehört, dass Parabene schädlich seien und sich auf das Hormonsystem negativ auswirken würden. Doch was ist da dran?

Es gibt Indizien dafür, dass Parabene das Hormonsystem beeinflussen könnten. Ob dies für Menschen gilt ist derzeit unklar. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung gelten einige Parabene jedoch als sicher, da du mit den niedrigen Mengen in Kosmetikprodukten nicht die schädliche Wirkung auf dein Hormonsystem haben kannst.

Jedoch sind manche Parabene verboten, andere sind von der EU Kommission vor kurzer Zeit in Babyprodukten teilweise verboten worden. Bei manchen Parabenen ist die erlaubte Konzentration stark eingeschränkt worden.

Du solltest selbst entscheiden, ob du deine Haut mit Parabenen in Kontakt bringen möchtest. Es gibt deutlich schädlichere Stoffe für deine Haut. Denke jedoch daran: Wenn du mehrere Produkte verwendest, dann kann es sein, dass du letztendlich mehr Parabene auf deiner Haut hast. Es gibt im Markt mittlerweile eine Menge Produkte die auf Parabene verzichten.

In echter Naturkosmetik wird nicht mit Parabenen konserviert. Hier sind alle Produkte auf natürliche Weise konserviert. Einziger Nachtteil: Während Parabene Kosmetik-Produkte extrem lange haltbar machen ist dies bei Naturkosmetik nicht der Fall. Naturkosmetik ist meist nur ca. 6 Monate nach Öffnung haltbar. Ob dies für dich eine Einschränkung ist, kannst du selbst am besten einschätzen. Deine Hautpflege wirst du vermutlich in ca. 3-6 Monaten verbraucht haben.

Du kannst es auch als Pluspunkt sehen: Kauf nur das, was deine Haut gerade wirklich braucht. Öffne Produkte erst dann, wenn sie auch zum Einsatz kommen sollen. So schmeißt du viel weniger weg und es ist sehr viel nachhaltiger für unsere Umwelt.

Ein Tipp noch: Schau bei natürlichen Produkten ohne Parabene immer genau hin, wie sie konserviert sind. Denn häufig werden austrocknende Alkohole oft in Kombination mit ätherischen Ölen zur Konservierung verwendet, die ja wie erwähnt deiner Haut sehr schaden können.


Viele weitere Inhaltsstoffe, wie Mikroplastik, Silikone, Vaseline, unzertifiziertes Palmöl und Co sind einfach nicht nötig. Sie schaden nicht unbedingt deiner Haut, belasten jedoch die Umwelt. Wenn du sie meiden kannst, dann lass sie doch weg, damit wir alle noch lange etwas von unserem Planeten haben.

Diese Produkte kannst du aus deiner Pflegeroutine streichen

Basische Hautpflege-Produkte

Achte darauf, dass deine Hautpflege einen pH-Wert zwischen 5 und 6 hat. So kannst du deine Haut auf Dauer beruhigen und es entstehen weniger Rötungen und Entzündungen.

Doch warum ist der pH-Wert so wichtig in der Hautpflege? Du hast einen Säureschutzmantel auf deiner Haut und der schützt dich täglich vor Bakterien und Viren. Diese können Entzündungen entstehen lassen. Schon wenn deine Haut mit Wasser in Kontakt kommt, kann sich dein pH-Wert nach den Waschen verschieben. Bei Wasser ist das noch nicht so schlimm. Es gibt zwar härteres und weicheres Wasser: Das hat auch Einfluss auf die Haut, aber im Grunde schafft die Haut es gut sich wieder ins leicht saure Spektrum zurückzuschieben. Anders sieht das aus, wenn du deine Haut mit basischen Produkten, wie Seifen reinigst oder wenn du in Basen-Salzen badest. Durch Seifen und andere basische Produkte wird der natürliche Säureschutzmantel angegriffen und deine Haut wird anfälliger für Viren und Bakterien, die Entzündungen hervorrufen können. Wenn deine Hautpflege einen natürlich sauren pH-Wert hat, gehst du auf Nummer sicher und Entzündungen können weitgehend vermieden werden. Also schau in Zukunft nach Hautpflege, die einen pH-Wert zwischen 5-6 hat, denn durchschnittlich liegt die natürliche Haut bei 5,5.

Augencreme

Eine extra Augencreme ist für deine Haut zwar nicht problematisch, aber meist unnötig. Spare dir das Geld lieber. Wenn du eine milde Creme ohne Duftstoffe verwendest kannst du diese auch unter den Augen verwenden. Falls du unter den Augen dennoch sehr trockene Stellen hast, kannst du eine reichhaltigere Gesichtscreme verwenden. In der Creme sollten keine Pflanzenöle enthalten sein, da diese in die Augen kriechen und diese reizen können. Stattdessen eignen sich Squalane oder MCT Öl.


Wie du siehst gibt es viele Inhaltsstoffe und Produkte, die du aus deiner Hautpflege-Routine streichen kannst. Das kann beim Einkauf jedoch schon ganz schön kompliziert werden auf all das zu achten. Deshalb bekommst du hier noch einen Extra Tipp: Wenn du weniger Produkte verwendest, die möglichst wenige Inhaltsstoffe enthalten, dann ist es leichter den Überblick zu behalten und du überforderst deine Haut nicht.

Für dich zusammengefasst

  • Viele Produkte reizen deine Haut 
  • Duftstoffe, wie Parfum und Ätherische Öle reizen die Haut und können Allergien auslösen 
  • Viele Alkohole sind austrocknend 
  • Blütenhydrolate enthalten von Natur aus Duftstoffe und austrocknenden Alkohol 
  • Vermeide zu harsche Tenside in deiner Reinigung 
  • Pflanzen-Öle solltest du nach deinem Hauttyp auswählen. Wenn du sehr ölige Haut hast lass Öle besser weg
  • PEGs stehen in Verdacht die Haut durchlässiger zu machen. 
  • Parabene stehen im Verdacht hormonell wirksam zu sein
  • Basische Produkte zerstören den Schutzmantel deiner Haut 
  • Augencreme ist meist unnötig 
  • Mit wenigen Produkten und Inhaltsstoffen hast du mehr Überblick über deine Hautpflege

Jetzt weisst du was du weglassen kannst. In diesen Punkten ist weniger wirklich mehr. Und was ist mit Wirkstoff-Seren, pflanzlichen Extrakten, Peelings und den noch potenteren Wirkstoffen? Die sind doch sicher sehr nützlich für meine Haut? Oder gibt da auch was wegzulassen?

Darum geht es im zweiten Teil dieser Serie, die schon morgen erscheinen wird. Also nicht verpassen. Du erfährst auch, wie du leichter herausfindest, was deiner Haut gut tut und was nicht.

Lies hier die weiteren Teile dieser Serie


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