Das Magazin für empfindliche Haut

by Xeno

Ist weniger wirklich mehr? Teil 2: Worauf du bei Wirkstoffen achten solltest

Fläschchen mit Wirkstoff-Kosmetik von Mario Badescu, The Ordinary und andere
Viele Hautpflege-Produkte auf dem Market versprechen wunderbare Wirkungen


Die Beauty-Industrie erzählt dir täglich wie viele Wirkstoffe deine Haut brauche, um auf lange Sicht gesund und beruhigt zu bleiben: Anti-Aging, Falten straffen, Poren verfeinern. Ist das wirklich gesund?

Um dieses Thema geht es im zweiten Teil unserer vierteiligen Artikelserie. Im ersten Teil ging es darum, welche Inhaltsstoffe und Produkte reizend und überflüssig für deine Haut sind. Im Dritten Teil dieser Artikelserie geht es um weitere Wirkstoffe und im vierten Teil wird es darum gehen, wie du zu deiner individuell passenden Pflegeroutine findest und wie du Irritationen, Reizungen, allergische Reaktionen, den Cocktail-Effekt oder eine Periorale Dermatitis vermeiden kannst. Die beiden Teile erscheinen morgen und übermorgen.

Es gibt durchaus einige Wirkstoffe, die eine positive Wirkung auf die Haut haben können. Jedoch musst du nicht jedem Werbeversprechen glauben. Oft sind die Versprechen auch übertrieben. Viele Wirkstoffe sind nur für ganz spezielle Hautprobleme geeignet und in jedem Fall keine Allroundlösung für jeden. Manche Wirkstoffe können unter Umständen langfristig zu einer gesünderen Haut beitragen, wenn man die Produkte mit Bedacht auswählt. Ähnlich wie bei Medikamenten, die ja auch nicht für jeden Menschen gleichermaßen geeignet sind.

Denke immer daran: Viele Wirkstoffe können die Haut irritieren oder auch Allergien auslösen. In diesem und im nächsten Teil erfährst du, worauf du achten kannst, denn gerade empfindliche Haut kann durch potente Wirkstoffe, wie Niacinamide oder Fruchtsäuren sehr gereizt werden, so dass Rötungen oder Pusteln entstehen.

Wenn du deine Haut zu viel pflegst oder die falschen Produkte verwendest, kann es zur sogenannten „Überpflege“ kommen. Bei empfindlicher Haut, wie beispielsweise bei Rosacea und generell bei atopischer Haut ist die Haut schneller überfordert. Jedoch auch bei Menschen mit robusterer Haut kann zu viel Pflege einfach zu viel sein. Ein Beispiel ist die Periorale Dermatitis, die sogenannte „Stewardessen Krankheit“: Sie tritt häufig bei Menschen auf, die sehr viele Kosmetikprodukte verwendet haben. Es bilden sich Rötungen und Pusteln im Gesicht. Meist bleibt um den Mund herum eine kleine Fläche frei. Dies ist dann ein recht eindeutiges Anzeichen für eine Periorale Dermatitis. Leider kann es leicht passieren, dass einen die Periorale Dermatitis in einen Teufelskreis bringt, wenn man versucht, die Hautprobleme mit weiteren stark wirkenden Hautpflegeprodukten in den Griff zu bekommen. Meist hilft nur konsequentes Weglassen. Also die radikalste Form des Haut-Minimalismus. Hier ist weniger in jedem Fall mehr.

Da ist es in jedem Fall besser, wenn du es mit der Hautpflege von Anfang an nicht übertreibst. Wenn du wenige Inhaltsstoffe in deiner Hautpflege hast, behältst du außerdem auch besser den Überblick. Eine durchschnittliche Creme kann durchaus 40 Inhaltsstoffe oder mehr enthalten. Wenn du diese Creme verwendest und danach deine Haut gerötet ist, dann ist es fast unmöglich herauszufinden, welcher Inhaltsstoff dafür verantwortlich war. Oder war es vielleicht das Zusammenspiel aus mehreren Inhaltsstoffen. Und wenn du noch mehr Produkte verwendest wird es noch unübersichtlicher. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt: Du weisst also weder was deine Haut irritiert noch was ihr gut getan hat. Falls du Allergiker bist ist es noch wichtiger, wenige Inhaltsstoffe zu verwenden, da das Risiko einer allergischen Reaktion mit jedem weiteren Inhaltsstoff ansteigt.

Gerade bei potenten Wirkstoffen ist auch aus einem weiteren Grund Vorsicht geboten: Durch den sogenannten Cocktail-Effekt kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen mehreren Stoffen kommen.

Hautidentische Wirkstoffe

Unter all den Wirkstoffen beginnen wir mit denen, die deiner Haut sehr gut tun. Am besten sind Wirkstoffe, die in der Haut vorkommen oder die den Stoffen in deiner Haut sehr ähnlich sind. Sie sorgen dafür, dass deine Haut auf lange Sicht beruhigt, gut durchfeuchtet und geschützt ist. Dazu zählen Feuchtigkeitsspender, wie Hyaluronsäure, Glyzerin, Zucker oder Salze. Sie versorgen deine Haut mit der Feuchtigkeit, die sie verlangt. Körperähnliche Fette sorgen dafür, dass Feuchtigkeit in deiner Haut bleibt. Das können zum Beispiel: Caprylic/ Capri Triglyceride oder Squalane sein. Ceramide eigene sich besonders für die sehr trockene Haut. Diese hautähnlichen Wirkstoffe sind unkompliziert und können untereinander kombiniert werden ohne dass du eine harsche Wechselwirkung zu befürchten hast.

Pflanzenextrakte

Auch bestimmte milde Pflanzenextrakte können deine Haut beruhigen. Sie enthalten meist viele Antioxidantien. So wirkt Süßholzwurzelextrakt natürlich gegen Rötungen, Grüntee-Extrakt entzündungshemmend und schwarzer Tee hautberuhigend. Sie sind gut untereinander kombinierbar und gut verträglich insofern es nicht zu viele werden.

Klingen die Pflanzenextrakte hingegen zu exotisch, empfiehlt es sich vorsichtiger zu sein, weil sie möglicherweise eine Kontaktallergie auslösen könnten. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn dein Körper den Stoff noch nicht kennt. Viele exotische Pflanzenextrakte werden in trendigen Hautpflegeprodukten als „Superfoods“ oder wahre Wunderpflanzen beworben. Wenn du noch keine Erfahrung mit derartigen Pflanzen gemacht hast, geh es langsam an. Es können Allergien entstehen, auch wenn du vorher keine hattest. Vor allem wenn du auf Gräser, Blüten und Pflanzen allergisch reagierst schaue immer ob du das Produkt verträgst. Das kannst du in der Armbeuge oder am Handgelenk testen. Ein Artikel mit Hautpflege-Tipps für Allergiker ist in Arbeit. Wenn du keinen Artikel verpassen möchtest, dann abonniere unsere Artikel unten auf der Seite per E-Mail oder folge uns auf Instagram oder Twitter. Am besten du setzt auf verträgliche bekannte Extrakte, die genau so gut für die Haut sind und seltener zu Allergien führen.

Es gibt auch pflanzliche Extrakte die zwar eine wunderbare natürliche Wirkung auf die Haut haben können, die jedoch ebenfalls eine allergische Reaktion hervorrufen können. Salix Alba Bark Extract wird aus aus Weidengewächsen gewonnen. Es wirkt mild gegen Unreinheiten. Weide gehört jedoch leider zu den allergenen Pflanzen. Wenn du Allergiker bist, kann es daher sein, dass du auf solche Extrakte reagierst.

Vermeide auch die sogenante Zaubernuss (Hammamelis Virginiana (Witch Hazel) Extract). Durch den Herstellungsprozess enthält das Extrakt Ätherische Öle und austrocknenden Alkohol. Wie beim Rosenwasser sind diese Stoffe in der INCI-Liste nicht zu sehen.


Teebaumöl enthält ebenfalls austrocknenden Alkohol und Ätherische Öle. Leider hält sich der Mythos schon lange, dass Tebaumöl gut gegen Pickel wirke. Zwar trocknet der Alkohol tatsächlich Pickel aus, jedoch können die natürlichen Ätherischen Öle die Entzündung anfeuern und die Hautbarriere angreifen. Alternativ kannst du Produkte mit Grüntee-Extrakt oder mit Zink verwenden.

Potente Wirkstoffe

Wenn du doch noch mehr machen möchtest, weil du dir von potenteren Wirkstoffen mehr erhoffst, solltest du folgendes beachten:

Potente Wirkstoffe, wie Niacinamide, Vitamin C, reine Salizylsäure, Retinol, Säure-Peelings etc. lösen einen gewollten aktiven Reiz auf deiner Haut aus.

Oft wird empfohlen möglichst potente Wirkstoffe zu nutzen, um bestimmte Probleme anzugehen oder um Falten vorzubeugen.

Potentes Vitamin C ist wunderbar um die Haut zu stärken. Jedoch verträgt es nicht jede empfindliche Haut. Es kann sein sein, dass du die milderen Derivate (Abkömmlinge) eher verträgst. Jedoch solltest du hier immer genau hinschauen was dir deine Haut zurück meldet.

Ein paar Pickel und Entzündungen hat jede Haut an manchen Tagen. Denn unsere Haut ist ein lebendiges Organ, dass auf Stress, Wetter und die körpereignen Hormone sensibel reagiert. Auch eine gesunde ausgewogene Ernährung sorgt schon dafür, dass deine Haut weniger Entzündungen entwickelt. Ein Artikel zur gesunden ausgewogenen Ernährung ist in Arbeit.


Sind es nur ein paar Pickelchen macht es Sinn diese einfach mit etwas Zink zu behandeln. Achte nur darauf, dass dein kleiner Pickel-Helfer keine austrocknenden Alkohole oder Ätherische Öle enthält. Diese feuern die Entzündung nur unnötig an. Darum sollstet du diese weglassen.

Meist verschwinden kleine Entzündung nach ein paar Tagen von alleine. Unser Haut bekommt kleine Pickel also meist auch ohne Hilfe in den Griff. Du hilfst ihr viel mehr, wenn du die reizenden und zu starken Stoffe einfach weglässt. Das beste Rezept sind Gelassenheit und eine gesunde unaufgeregte Hautpflege.
Bei sehr tiefen und großflächigen Unreinheiten kann es jedoch sinnvoll sein, einen Hautarzt aufzusuchen, um eine Akne Vulgaris auszuschließen.


Falls deine Haut zu starken Unterlagerungen oder zahlreichen Pickeln neigt, kannst du aktiv mit Salizylsäure eingreifen. Salizylsäure (auch BHA bzw. Beta- Hydroxy-Acid genannt) wirkt entzündungshemmend und entfernt Hautschüppchen. Es löst das Fett aus der Pore, sodass der Talg besser abfließen kann. Wie viele Säure-Peeling macht es die Haut ebenmäßiger.

Sei dir immer darüber bewusst, dass BHA ein aktiver Inhaltsstoff ist, der aktiv in deinen Hautstoffwechsel eingreift. Vor allem für empfindliche Haut kann das auch zu viel sein. Wäge vorher gut ab, ob deine Haut diesen Wirkstoff wirklich benötigt. Bei ein paar kleinen Pickeln, brauchst du keine solchen starken Reaktionen auslösen. Falls du es doch ausprobieren möchten und noch keine Erfahrungen mit Salizylsäure hast, informiere dich ausgiebig über die richtige Anwendung und empfohlene Konzentrationen.

Die Haut kann eventuell ein wenig rot werden oder kribbeln. Das ist nicht weiter schlimm. Jedoch kann empfindliche Haut auch mit übermäßiger Röte, Wunden und Entzündungen in der Haut überreagieren. Achte immer auf deine Haut und höre auf ihre Bedürfnisse. Wenn BHA bei dir zu starken Schmerzen, Entzündungen oder übermäßiger Röte führt, setzte es lieber sofort wieder ab. Kein Hautpflegeprodukt sollte solche Reaktionen hervorrufen. Das ist ein klares Zeichen einer Unverträglichkeit.

Da BHA dafür sorgt, dass der Talg besser abfließen kann, kommt es manchmal zu einer ersten Verschlechterung des Hautbildes. An den Stellen, wo du allgemein zu Unterlagerungen neigst, entstehen dann Pickel, damit der Talg nach aussen abfließen kann. Das sogenannte Purging kann ca. 4-8 Wochen andauern. Falls du an Stellen Pickel und Pusteln bekommen sollest, wo du noch nie Unreinheiten hattest, dann ist es vermutlich kein Purging. In diesem Fall kann es sich um eine Unverträglichkeit handeln. Setze BHA dann besser ab.

Achtung: Es ist unbedingt notwendig täglich ausreichend Sonnenschutz aufzutragen, wenn du Salizylsäure verwendest. Da die Haut abschuppt ist deine Haut viel empfindlicher gegen die Sonne. Außerdem solltest du deine Haut gut pflegen, da BHA die Haut austrocknet.


Eine Alternative für Salizylsäure ist Benzoyl Peroxid. Es tötet die Akne Bakterien ab und wirkt auf die entzündeten Pickel ein. Leider trocknet es bei einigen Hauttypen die Haut auch noch sehr stark aus. Oft wird Benzoyl Peroxid bei einer Akne Erkrankung angewendet. Informiere dich vorher ausführlich. Zu hohe Konzentrationen gehören in die Hände von Hautärzten. Auch hier gilt: Frage dich, ob du es wirklich brauchst.


Morgen geht es im dritten Teil unserer Reihe weiter mit Niacinamiden, Retinol, Fruchtsäurepeelings und mechanischen Peelings.


Hier geht es zum ersten Teil der Artikelserie (Es geht darum, welche Inhaltsstoffe du weglassen solltest)

Und hier gibt es noch mehr für dich zum weiterlesen

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